Eröffnungsvortrag auf der Systems 2007 in München Referent Gerd Nosek
1. Titel des Beitrags
Computer und Fördervereine in der Nachmittagsbetreuung
2. Abstract / kurze Zusammenfassung des Themas
Die Stellung der Fördervereine in der Ganztagsbetreuung wird immer wichtiger.
Es genügt nicht, die Schülerinnen und Schüler zu beschäftigen und zu beaufsichtigen, sondern eine sinnvolle Beschäftigung sollte den Schulunterricht ergänzen.
Die Nutzung neuer Medien ist eine ideale Möglichkeit, den Kindern spannende und interessante Nachmittagsbeschäftigung zu bieten.
Zu lösen sind einige Voraussetzungen.
Eine gute Ausbildung der Betreuerinnen und Betreuer muss gewährleistet werden,
denn die Schülerinnen und Schüler sind im Allgemeinen schon vorgebildet mit dem Umgang der neuen Medien. Um dem gerecht zu werden, sollte eine ausreichende Anzahl von Ausbildungsplätzen vorhanden sein.
Die Beschaffung und Finanzierung von geeigneter Soft- und Hardware ist ein Problem, dass nicht unterschätzt werden darf.
Organisation der Fördervereine
Anzahl der FÖV in der BRD:
Keine genauen Ermittlungen
Schulleitungen geben Namen und Adressen der FÖV nicht immer bekannt
Der BFD rechnet mit ca. 10 – 15000 FÖV, stets werden neue FÖV gegründet.
BFD ist eine Orga, die sich um die Verwaltung und das Management der FÖV kümmert. Etwa 10% sind inzwischen im BFD organisiert.
Der BFD und seine Landesverbände versuchen, die Vorstände der FÖV zu stärken und die Unabhängigkeit von der Schule zu unterstreichen.
Obwohl die FÖV inzwischen Unternehmer im Ehrenamt sind, wird ihnen von der Verwaltung wenig geholfen. So agieren die meisten FÖV ohne Versicherungsschutz.
Durch die Mitgliedschaft im BFD werden die Vorstände zunächst auf einen rechtssicheren Boden gestellt. Der Haftpflichtschutz ist im Beitrag enthalten.
Aufgaben der Fördervereine
In der Satzung wird der Zweck der FÖV genau festgelegt.
Die Gemeinnützigkeit schreibt das vor.
Der FÖV soll den Schülern das Lernen in der Schule ermöglichen.
Der FÖV ist selbstlos tätig.
Abweichend von der Satzung betreiben viele FÖV einen Geschäftsbetrieb.
Die Toilettenaufsicht wird vom FÖV gestellt und finanziert,
die Mensa, der Kiosk oder das Bistro werden vom FÖV betrieben,
die Betreuung in den unterrichtsfreien Zeiten obliegt dem FÖV,
die Betreuung in den Ganztagsschulen wird den FÖV auferlegt.
Finanzierung der Fördervereine
Diese Aufgaben übernimmt der FÖV gerne, weil dort eine Einnahmequelle gesehen wird, wenn der FÖV die steuerlichen Regeln beherrscht.
Der FÖV darf keine Gewinne erzielen.
Der FÖV finanziert sich aus Beiträgen und Spenden.
Auch der Bereich der Spenden wird den FÖV von den Schulen streitig gemacht.
In einigen Schulgesetzen ist geregelt, dass die Schulen selbst Sponsoren suchen dürfen, um sich zu finanzieren.
Immer mehr werden die Schulen als Profitzentren gesehen.
Die Schulleiter sind förmlich dazu gezwungen, um die notwendigsten Unterrichtsvoraussetzungen zu gewährleisten.
Dadurch nehmen sie den FÖV die Möglichkeiten, selbst Geld zu beschaffen.
Das Geld der FÖV wird zu anderen Zwecken eingesetzt, wie das der Schule.
Inzwischen sind uns Städte bekannt, die von ihren FÖV Miete für die Betreuungsräume belasten. Das ist ungeheuerlich und nicht zu fassen.
Verwendung der Mittel
Die Aufgabe des BFD besteht auch darin, die Verwendung der Mittel zu steuern und die Ansichten der FÖV zu modernisieren.
Die Zeiten, Schulfreizeiten oder Schulbücher für mittellose Schüler zu finanzieren sind endgültig antiquiert.
Investiert werden muss in moderne Aufgaben.
Dazu gehören in den
weiterbildenden Schulen die Vermittlung von Ausbildungsplätzen und in
weiterbildenden und Grundschulen der Einsatz von modernen Lehrmitteln.
Dazu gehört weiterhin die Anschaffung von guter Literatur.
Die Mittel dafür werden niemals als antiquarisch angesehen.
Die wichtigste Investition ist die Anschaffung elektronischer Lehrmittel.
Anschaffung von PCs und Laptops,
Einrichtung von Computer-Arbeitsplätzen und/oder Computer-Räumen,
Die Anschaffung von elektronischen Tafeln.
Entwicklung der elektronischen Arbeitsplätze
Die Mechanik hatte in der Vergangenheit die Vorherrschaft. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass ich im Ruhrgebiet aufgewachsen bin, wo der Bergbau und das Handwerk noch goldenen Boden hatten.
Inzwischen gibt es im Ruhrgebiet keine Zeche mehr, die Handwerker werden durch die Maschinen teilweise ersetzt.
Der Computer hat auch hier Einzug gehalten, denn aus dem Kfz-Mechaniker wurde z.B. der Kfz-Mechatroniker.
Die Industrialisierung geht immer mehr zurück und wird ins Ausland verlegt oder durch Roboter ersetzt.
Neue Arbeitsplätze werden in der Dienstleistung geschaffen. Auch hier hat die Elektronik die Mechanik größtenteils ersetzt.
Ich musste noch bei der Sparkasse die Zinsen per Hand bzw. mittels Tabellen rechnen. Die Rechenmaschine wurde noch per Hand betrieben, ehe sie von den elektrischen und mechanischen Rechenmaschinen ersetzt wurden.
Ende der 60ger Jahre hat de Computer Einzug in die Büros gehalten.
Die Lehrpläne haben mit der rasanten Entwicklung nicht mithalten können. Einmal waren keine Mittel vorhanden. Die Ausbildung der Lehrkräfte hinkt der technischen Entwicklung hinterher. Die notwendigen Finanzen wurden nicht bereitgestellt.
Bedeutung der elektronischen Medien
Die Schüler sind mit dem PC vertraut.
Schon als Kleinkinder werden sie mit elektronischem Spielzeug konfrontiert.
In meiner Kindheit gab es noch nicht einmal elektrisches und Batterie betriebenes Spielzeug.
Jetzt dürfen wir die Fehler unserer Väter nicht mehr machen und die Kinder von der technischen Entwicklung zurückhalten.
Leider entscheidet sich die Politik nur schleppend für die Änderung der Lehrpläne und die Bereitstellung von Lehrmitteln.
Die Fördervereine müssen sensibilisiert werden, dieser falschen Politik ein Ende zusetzen.
Viele FÖV schaffen es, aber nur, wenn der Vorstand des FÖV selbst im Beruf mit den neuen elektronischen Medien arbeitet.
Sie sind in der Lage, die Schulleiter vom Einsatz der neuen Medien zu überzeugen.
Verschiedene Studien belegen, dass die Ausbildung in den Schulen nicht dem internationalen Standart entspricht.
Nutzen wir doch einfach die Neigungen und die Fähigkeiten der Schüler.
Der PC ist das beliebteste Spielzeug geworden. Kinder sind zu Hause ihren Eltern im Umgang mit dem PC ebenbürtig, vielfach sogar sehr überlegen.
Der PC ist wichtigster Bestandteil des künftigen Berufslebens, s. Kfz-Mechatroniker, Elektroniker, Roboterentwickler, Bank- und Versicherungskaufleute, Maschinenbau etc.
Die FÖV haben dafür zu sorgen, dass die Schule mit dieser Entwicklung mithilft. Sie sollen nicht nur die Schüler, sondern auch die Lehrkräfte fördern!
Es kann nicht sein, dass das Lehrerkollegium die elektronische Tafel nicht im Unterricht einsetzt.
Weil die älteren Lehrpersonen damit nicht umgehen wollen, weil sie es selbst erst lernen müssen?
Werden PC verpönt, weil die Lehrpersonen Betriebssysteme Windows, Vista oder Linux nicht beherrschen wollen?
Darf der PC nicht eingesetzt werden, weil die Schüler durch „googeln“ plötzlich schlauer sind als die Lehrer?
Werden unsere Kinder auf die Unis oder in die Berufe geschickt, ohne die neuen Medien perfekt zu beherrschen, weil kein Geld für die Lehrerausbildung zur Verfügung gestellt wird?
Beschaffung der neuen Medien
Die FÖV müssen lernen, die wesentlichen Mittel in die neuen Medien zu investieren.
Den Schulhof und die Klassenräume zu renovieren sind Aufgabe der Schulverwaltungen. Die Beschaffung von neuen Medien ebenfalls.
Aber:
Hier muss der FÖV umdenken und mehr an die Zukunft der Schulausbildung denken. Die moderne Ausbildung und nicht der perfekte Schulhof ist wichtig. Das müssen alle Beteiligten lernen.
Es gibt Schulverwaltungen, die haben dieses erkannt und haben die Industrie dazu bewegt, hier zu investieren bzw. zu sponsern.
Die Argumente und die Möglichkeiten findet man schon, wenn gründlich nachgedacht wird.
So könnte auf der Homepage des FÖV bzw. der Schule Werbung in verschiedenster Form geschaltet werden.
Über eine Frageaktion könnten die E-Mail-Adressen der Eltern ausfindig gemacht werden, die dann in unregelmäßigen Abständen Informationen aus der Schule mit dem entsprechenden Werbezusatz erhalten.
Firmen dürfen keine E-Mail-Werbung verbreiten. Schulen und FÖV dürfen informieren und den Nutzen der Firma, für die geworben wird, für die Schule herausstellen.
Bei entsprechender sinnvoller Aufklärung sind die Eltern auch mit dieser Art Informationen sicher einverstanden.
Es kann am fehlenden Kapital nicht liegen.
Eine Firma sponsert sicher lieber in neue Medien als in einen neuen Schulhof. Das sollen die Landschaftsgärtner machen, die heute allerdings ohne PC auch nicht mehr richtig planen und kalkulieren können.
Einsatz der neuen Medien in der Nachmittagbetreuung
Wenn schon die Lehrpläne nicht modernisiert werden, sollte die Zeit in der Nachmittagbetreuung sinnvoll genutzt werden.
Macht mit den Schülern das, was sie gern tun.
Nämlich das Spielen mit dem PC:
Niemand liebt es, sich auf Geschichte, Erdkunde, Mathematik usw. zu konzentrieren, weil diese Fächer bereits im Vormittagsunterricht gepaukt werden.
Nachhilfeunterricht ist nur sinnvoll, wenn ein entsprechender zeitlicher Abstand zum Unterricht gegeben ist. Am Nachmittag und dann noch in der Schule haben nur wenige Schüler die Lust sich darauf zu konzentrieren.
Mit dem PC gehen sie gerne um und vergessen, dass sie hier viel mehr lernen. Nachhilfeunterricht nach einem EDV-Kurs mit Hilfe des PC durchzuführen, ist doch viel spannender und wirkungsvoller.
Arbeitsgruppen haben die Lösungen im Internet zu recherchieren und dann zu dokumentieren.
Beherrschung der Office-Programme Word, Excel, Access, Power Point,
sollten bereits vor der Ausbildungszeit selbstverständlich sein.
E-Mailprogramme wie Outlook-Express etc. gehören ebenfalls in die Schulausbildung. Es nützt uns nicht mehr, die herkömmlichen Formeln und die neue Rechtschreibung zu beherrschen, wenn die Schüler sie nicht mit den neuen Medien anwenden können.
Das Ein mal eins und die Bruchrechnung wird ja auch nicht erst in der beruflichen Ausbildungszeit gelehrt.
Warum wird der traditionellen Ausbildung nicht die moderne Ausbildung gleichgestellt.
Wir müssen damit beginnen, umzudenken.
Dazu ist die Nachmittagsbetreuung für jedes Kind wie geschaffen. |